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Wohnungsnot: Wunsch und Wirklichkeit

Zum Tag der Wohnungslosigkeit diskutierten, moderiert von Kabarettist Andreas Breiing, Maria Winkel (SPD), Richard Michael Halberstadt (CDU) und Robin Korte (Grüne, v.l.) am Donnerstagabend im M20. Foto: Wolfram Linke

Von Wolfram Linke

Wenn es um das Thema Wohnungsnot geht, herrscht in Münster offenbar Parteikonsens: „Es muss mehr gebaut werden“, fassten Maria Winkel (SPD), Richard Michael Halberstadt (CDU) und Robin Korte (Grüne) den Bedarf zusammen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Tag der Wohnungslosigkeit besprach das Trio am Donnerstagabend im voll besetzten M20 an der Mauritzstraße über „Wohnungsnot in Münster – was sagt die Politik?“ den status quo, Perspektiven, Möglichkeiten und Ziele, um Wohnungs- und Obdachlosen sowie Bedürftigen den dringend benötigten Wohnraum zu beschaffen.

Mehr Mietwohnungen planen

Petra Winkel bezeichnete es als „Skandal, wie in Münster Obdachlose untergebracht sind.“ Sie favorisiere Einzelzimmer mit jeweils eigener Adresse. Halberstadt betonte, eine Änderung des derzeitigen Zustands sei nur im Konsens aller Parteien zu realisieren. Korte relativierte die Situation und verwies darauf, Münster schaffe in NRW mit Abstand die meisten neuen Wohnungen. Ziel sei es, weg von den klassischen Einfamilienhäusern hin zu mehr Mietwohnungen zu planen. „Davon“, so der Grüne, „sollen 40 Prozent sozial gefördert sein.“ Derzeit sind es 30 Prozent.

Katerstimmung nach der Wahl

Moderator Andreas Breiing, Kabarettist und Schauspieler, vermutete wählergerechte Wahlkampfaussagen – nach der (Kommunal-)Wahl herrsche Katerstimmung und es stelle sich die Frage, wie bezahlbarer Wohnraum überhaupt realisiert werden solle. Winkel bestätigte mit dem Hinweis auf durchschnittliche 17 Euro Kaltmiete in Münster das hohe Niveau in der Domstadt – neben der Wohn- und Stadtbaugesellschaft müsse eine Instanz geschaffen werden, die über einzuführende Quoten bei Neuvermietungen wache, damit vor allem bedürftige Familien einen Platz finden. Und: Der Verwaltungsaufwand müsse gesenkt werden, damit schneller gebaut werden könne.

Fokus auf Neubauten

Korte führte die hohen Kosten auf die Attraktivität der westfälischen Oberzentrums zurück: „Wir werden hier nie wieder in die Situation kommen, in der wir Mieten auf dem Niveau des Ruhrgebiets haben.“ Daher sei der Fokus auf Neubauten zu richten. Zudem müsse insbesondere für Wohnungslose in Neubaugebieten eine Quote von fünf Prozent eingeführt werden. Halberstadt appellierte, die Genossenschaften an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen und den sozialen Wohnungsbau zu fördern. „In Münster stehen 3.000 Wohnungen leer, und die Bima-Häser stehen seit Jahren leer, das ist skandalös“, fasste er zusammen.

Mögliche Alternativen

Als sich das Publikum beteiligte, nahm die Diskussion mächtig Fahrt auf: Housing first, Tiny Houses, Container- und Clusterwohnungen wurden als mögliche Alternativen genannt. Dabei wurde deutlich, dass vor allem die Vernetzung der behördlichen Institutionen untereinander oftmals jedwede Handlung lahmlegen. Ines Hemker, Caritas Münster, Bezirksleitung Wohnen, brachte es auf den Punkt: „Ich muss gefühlt 40 verschiedene Menschen in unterschiedlichen Ämtern anrufen, um eine als schwierig geltende Person irgendwo unterbringen zu können.“

„Münster hat kein Geld mehr“

Als weiteren Hinderungsfaktor machte Maria Winkel das Geld aus: „Eine fünfzigprozentige Förderung scheitert an der Verweigerung von Landesmitteln.“ Angesichts der in Münster äußert angespannten Haushaltslage stellte sie zudem fest: „Münster hat kein Geld mehr und nun müssen wir Prioritäten setzen.“ Als Anregung nahmen die Diskutanten eine Idee der Geschäftsführerin des Straßenmagazins draußen! e.V. mit, Obdachlose mit Blick auf den drohenden Winter in kostengünstigen Bed & Breakfest-Unterkünften, die sonst Saisonarbeiter nutzen, wohnen zu lassen.

Probleme gemeinsam lösen

Die Probleme gemeinsam angehen (Halberstadt), soziale Einrichtungen fördern und die Wohnungsprobleme durch viele verschiedene kleine Bausteine lösen (Winkel) sowie Lösungen finden, um das Ziel keine Wohnungslosigkeit anzustreben (Korte) lauteten am Ende die Zielsetzungen der Diskussionsrunde für die nächsten fünf Jahre.

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