Podiumsdiskussion

Wohnungsnot das Thema Nummer 1

Hans-Jochem Witzke, Mieterbund NRW, Maik Hellmann, Hausverwaltung Hellmann, Ines Hemker, Caritas Münster und Bezirksleitung Wohnen, Daniel Criusmann (AstA, Referat Soziales & Wohnen), und Ingo Schmidt, Dach überm Kopf e.V./Soziale Wohnraumagentur, diskutierten, moderiert von Mario Wessels, Caritas Münster, über den status quo und mögliche Lösungswege aus der Misere. Foto: Wolfram Linke

Von Wolfram Linke

Fehlender Wohnraum zu erschwinglichen Preisen rückt immer mehr in den Fokus der Gesellschaft und betrifft längst bei weitem nicht mehr nur soziale Randgruppen, sondern ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen: „Bezahlbarer Wohnraum – ein Traum oder Realität?“ lautete das Thema einer Podiumsdiskussion im SpecOps im Vorfeld des Tages der Wohnungslosigkeit am 11. September.

Auch in Münster wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Daniel Criusmann (AstA, Referat Soziales & Wohnen), Maik Hellmann, Hausverwaltung Hellmann, Ingo Schmidt, Dach überm Kopf e.V./Soziale Wohnraumagentur, Hans-Jochem Witzke, Mieterbund NRW, und Ines Hemker, Caritas Münster, Bezirksleitung Wohnen, diskutierten über den status quo und mögliche Lösungswege aus der Misere. Moderiert von Mario Wessels, Caritas Münster, betonte Criusmann zum Auftakt, bezahlbarer Wohnraum sei das Thema Nummer 1 bei Studierenden und Auszubildenden. Es dürfe bei der Suche keine Konkurrenz zwischen Studis und Azubis geben, lautete seine Forderung. Das Thema müsse nach vorn gebracht werden, damit Menschen mit diesen Problemen bessere Chancen haben.

Horrende Preissteigerungen

Ines Hemker berichtete, dass immer mehr Familien bei der Wohnungslosenhilfe anklopfen. „Selbst Familien mit Kindern finden trotz doppeltem Gehalt keine Wohnung“, stellte sie fest – und warnte vor den Folgen. „Dadurch wandern auch Fachkräfte aus Münster ab.“ Hans-Joachim Witzke erläuterte, dass vor allem kleine und mittlere Gehälter betroffen seien – „die Härte beginnt da, wo mehr als 30 Prozent des Verdienstes für Miete abgehen.“ Criusmann ergänzte, dass Studierende im Schnitt 53 Prozent ihres Budgets für Miete zahlen müssen. Sonst seien es durchschnittlich 25 Prozent. Maik Hellmann erläuterte dazu, dass sich der Mietzins in den vergangenen Jahren zwar nicht verdoppelt habe, Vermieter dennoch mit teils horrenden Preissteigerungen zu kämpfen haben, die sie dann teils an die Mieter weitergeben müssten. Beim Einsatz von Handwerkern sei beispielsweise eine Verdoppelung des Preisgefüges festzustellen. Die Kosten für das Bauen, die Sanierung und Modernisierung von Wohnraum seien quasi explodiert.

Undurchsichtige Kosten

Criusmann kritisierte demgegenüber die aus seiner Sicht oft undurchsichtigen Mietnebenkosten: „Die Vermieter halten sich oft nicht an die gesetzlichen Bestimmungen. Wir sollten diese versteckzten Kosten mehr ins Visier nehmen“, schlug er vor. Hellmann widersprach – in Münster seien die Abrechnungen weitestgehend korrekt. Es stelle sich vielmehr die Frage, ob zum Beispiel der Einsatz eines Hausmeisters finanziert werden müsse. Ingo Schmidt verwies darauf, dass der Mietspiegel in Münster bei 12,80 Euro liege. Allerdings sei niemand da, der das prüfe – seiner Einschätzung nach seien 16 bis 18 Euro realistischer. Witzke erinnerte daran, dass es auch in der Domstadt eine Mietpreisbremse gebe, die aber ebenfalls nur auf dem Papier existiere. Indes Hemker betonte, viele Mieter ahnen, dass mit ihrer Abrechnung etwas nicht stimme: „Sie sagen dann aber nichts, weil sie Angst haben, dann plötzlich auf der Straße zu stehen.“

Fahrplan aufstellen

Hellmann regte an, gemeinsam einen Fahrplan aufzustellen, wie man Nebenkosten senken könne. Ein weiteres großes Problem, so Schmidt, sei die Scheu von Vermitern, einen Mietvertrag mit Obdachlosen abzuschließen. Hemker setzte dem entgegen – ihre Institution habe gute Erfahrungen mit privaten Vermietern gemacht. Ziel sei es, Wohnraum dauerhaft gut zu vermieten. Helmann äußerte dazu, das Vermieten gehe „viel über Gefühl“, es gebe natürlich auch Vorurteile, beispielsweise bei Menschen mit Migrationshintergrund. Andererseits gebe es längst auch Vermietende, die Multikulti in ihren Häusern ausdrücklich begrüßen. Das eigentliche Problem sei doch, wie mehr Wohnraum geschaffen werden könne. Ingo Schmidt bemängelte in diesem Zusammenhang die fehlende Kontrolle von leerstehendem Wohnraum, das könne, wie auch die Zweckentfremdung, nach sechs Monaten sanktioniert werden. Das sei, so Hemker, aber auch eher zu vernachlässigen – in Münster liege der Leerstand bei 1,08 Prozent: „Was fehlt, sind gesetzliche Verankerungen“, stellte sie fest. Die Sikussion wird fortgesetzt: Am 11. September findet dazu um 18 Uhr eine zweite Veranstaltung, dann mit Beteiligung der Politik, statt.

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