
OB-Kandidat Tilman Fuchs (Grüne, r.) besuchte den täglichen Frühstückstreff des Straßenmagazins draußen!, um am Tag der Wohnungslosigkeit mit Betroffenen und Bedürftigen zu diskutieren. Foto: Wolfram Linke
Von Lara Tecklenborg
„Ich weiß, wo gespart wird und dass wir die unterste Schicht sind, bei der am ehesten weggeschaut wird“, sagte eine Teilnehmerin zu Beginn der Gesprächsrunde: Am Donnerstagmorgen hat sich der Grüne Oberbürgermeister-Kandidat Tilman Fuchs bei einem Frühstück in der draußen!-Geschäftsstelle mit Wohnungslosen in Münster ausgetauscht. Die Aktion war Teil der Programmreihe des Tages der Wohnungslosigkeit am 11. September. der Gesprächsrunde. Das soll sich laut Fuchs in Zukunft ändern. Wie und was den Wohnungslosen wichtig ist, wurde diskutiert.
Themen zusammenbringen
„Ich glaube, wir brauchen eine Politik, die die Themen zusammenbringt“, betonte Fuchs. „Egal, ob Menschen mit viel oder wenig Geld, mit oder ohne Wohnung oder aus welchem Stadtviertel: Wir müssen für alle Zielgruppen da sein.“ Dafür hatte sich der Grünen-Politiker im Vorfeld bereits mit Münsteranern in ihrem Wohnviertel getroffen und sich ihre Anliegen angehört. Fuchs plant auch, politische Themen wie Wohnungsmangel, Klimaschutz und Verkehr miteinander zu verbinden und eine einheitliche Lösung zu finden.
Auf Mehrfamilienhäuser setzen
Eine Teilnehmerin sprach den fehlenden bezahlbaren Wohnraum in Münster an. Fuchs antwortete, Münster könne sich in Zukunft nicht mehr leisten, freie Flächen für den Bau von Einfamilienhäusern zu nutzen. Stattdessen müsste die Stadt auf Mehrfamilienhäuser setzen. Die Wohnungslosen kritisierten, dass Immobilien oft von Investoren aus anliegenden Großstädten wie etwa Köln aufgekauft würden, die in erster Linie ihren Profit im Auge hätten. „Wir müssen mehr günstigen Wohnraum schaffen und nicht Appartements für Wohlhabende, die 800 Euro für 26 Quadratmeter kosten“, sagte ein Teilnehmer. Fuchs möchte in Zukunft mehr auf den Wohnungsstadtbau setzen als auf außerstädtische Investoren und leerstehende Immobilien besser nutzen. Auch die Infrastruktur in neuen Wohnungsgebieten müsse sich zukünftig verbessern. Man müsse etwa bessere Verkehrsverbindungen in die Innenstadt schaffen.
Eine Stadt für Bürger
Ein weiteres Problem laut der Wohnungslosen sind zu wenig konsumfreie Aufenthaltsorte in der Stadt. Es fehlten etwa Bänke und öffentliche Toiletten. Münster müsse wieder eine Stadt für alle Bürger werden. Eine Teilnehmerin der Gesprächsrunde betonte, dass die Hilfsstellen zukünftig mehr zusammenarbeiten sollten. „Mahlzeiten werden zum Beispiel über den Tag verteilt an unterschiedlichen Orten der Stadt ausgegeben. Das erschwert für Betroffene, den Überblick zu behalten und die Anlaufstellen zu finden.“ Wichtig sei zudem, die Einrichtungen für Tagesaufenthalte weiter zu unterstützen. „Die Menschen im öffentlichen Raum benötigen einen sicheren Ort, wo sie versorgt werden können.“
Bildungsstätten priorisieren
Zudem brauche Münster mehr Begegnungs- und Bildungsräume, etwa für die Volkshochschule, führte ein Teilnehmer an. „Wir brauchen solche Räumlichkeiten, damit die Menschen in Münster wieder zusammenkommen“, sagte er. Fuchs stimmte dem zu. „Ich kenne den derzeitigen Haushalt nicht“, sagte er. „Aber, wenn genug Geld da ist, priorisiere ich die Bildungsstätte vor einer Musikhalle oder Ähnlichem.“



