
Am Servatiiplatz wies Roman Sudeck auf die fehlenden Bänke in der Umgebung hin und erzählte von dem NS-Aktivist Paul Wulf. Fotos: Tecklenborg
Von Lara Tecklenborg
Die Arkaden-Stadt aus der Perspektive eines ehemaligen Wohnungslosen: Roman Sudeck von der „draußen!“ hat am Dienstagnachmittag 15 Teilnehmer bei einem Stadtrundgang durch Münster geführt. Er zeigte, welche Orte Menschen in Not unterstützen und wo Handlungsbedarf besteht. In einer Straße Münsters sei die Lage laut Sudeck „sozial kurz vor der Explosion.“
Vom Aegidiimarkt aus ging es zum Prinzipalmarkt, einem Touristenmagneten. „Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz spazierte hier kürzlich entlang“, bemerkte Sudeck. Merz besuchte die Stadt für eine Sonderkabinettsitzung der Landesregierung.
Treffpunkt für Menschen aus aller Welt
Gegenüber der Clemenskirche wies Sudeck auf die älteste Suppenküche Münsters hin. Am „Treffpunkt an der Clemenskirche“ erhalten Wohnungs- und Obdachlose für 50 Cent Frühstück, Kaffee, eine Zeitung oder ein offenes Ohr. „Ohne Geld gibt es trotzdem Kaffee“, sagte Sudeck augenzwinkernd. Die Suppenküche existiert seit 1978, früher betrieben von der Bundeswehr, die Schlafsäcke und Rucksäcke spendete. Heute führt die Tür zum Neubau der Alexianer. Sechs Stammgäste kommen regelmäßig. Sonst trifft Sudeck dort Menschen aus aller Welt. „Der Treffpunkt ist multikulturell und für alle da“, betont er.
Weiter ging es zur Promenade. Vor dem Servatiiplatz, nahe der Paul-Wulf-Skulptur, hielt Sudeck an. Der NS-Aktivist kämpfte für seine Rechte und leistete Widerstand. „Wulf war ein guter Mann“, sagte Sudeck.
„Die Drogensucht hat sich verändert“
Im Umfeld des Platzes habe sich viel verändert, so Sudeck. „Früher gab es hier viele Bänke, jetzt fehlen sie.“ Nur drei Sitzmöglichkeiten stehen auf dem Platz. Nachts seien sie für Obdachlose tabu – ein Sicherheitsdienst kontrolliere. „Das ist ein Unding“, kritisiert Sudeck. „Gehbehinderte oder Erschöpfte finden keine Stelle zum Ruhen.“
Ein weiteres Problem: die Straße Bremer Platz nahe dem Drogenkonsumraum des Indro e.V. 120 bis 180 Menschen suchen dort täglich Hilfe. Immer mehr kommen, manche reisen weit, um in Münster zu konsumieren. „Die Drogensucht hat sich verändert“, sagt Sudeck. „Früher war es Heroin, heute sind es Mischdrogen, die den Boden unter den Füßen wegziehen.“ Gewalt, Lärm und Pöbeleien prägen die Szene. „Das ist die Horrorstraße Münsters“, meint Sudeck. Eine Patentlösung gebe es nicht. „Die Stadt wird hier nicht Herr.“
Drogenszene stärker abgegrenzt
Sudeck führte zum Bremer Platz, nahe der offenen Drogenszene. Früher verweilten dort Drogenkonsumenten mit Studenten, Besuchern und Radfahrern. Der Platz wurde umgebaut, die Drogenszene stärker abgegrenzt. „Das sind die kleinsten Drogenkonsumplätze Deutschlands“, sagt Sudeck. Dadurch verteilten sich die Abhängigen mehr in der Umgebung. „Wegschauen und abgrenzen ist einfacher, löst aber nichts“, warnt er. Der Stadtrundgang endete am ehemaligen Postgebäude neben dem Hauptbahnhof.










