
Von Wolfram Linke
Eigentlich hätte das Dach abheben müssen: Gleich sechs Bands verwandelten den Beckmannschen Kotten am Samstag in eine Hochburg des Heavy Metal. Zum sechsten Rock am Berg-Festival pilgerten wieder zahlreiche Fans des lauten Geschmacks, nicht nur um sich die Gehörgänge durchpusten zu lassen, an den Coerder Liekweg.
Mehr als nur Dezibel
Kein Zweifel, hier wurde wie in einer großen Familie über mehrere Generationen hinweg gemeinsam gefeiert, gelacht, gesungen und getanzt. Direkt zum Auftakt des längst im münsterschen Veranstaltungskalender fest etablierten Festivals gab´s von Kintsugi post-alternativen Rock auf die Ohren. Und die Formation stellte gleich klar – Heavy Metal ist weit mehr als nur Dezibel. Eingängige Rhythmen, melodiös und manchmal melancholisch – die Münsteraner begeisterten ihr dankbares Publikum, das sie gar nicht mehr von der Bühne lassen wollte.
Grandiose Gitearrenriffs
Schon fast legendär ist Metalstorm: Seit 1984 fegt die Band mit ihrem Thrash und Old School Metal über die Bretter, die die Welt bedeuten. Mit ihren grandiosen Gitarren-Riffs, bärenstarkem Gesang, beinhartem Bass und donnernden Drums sorgte Metalstorm in der Tat für einen monströsen Metallsturm. Doch die Jungs um Sänger Marc David konnten auch anders – ihre eingängige Ballade kam nahezu einer Hymne gleich. Ehrensache, dass auch von ihnen lautstark Zugabe gefordert wurde.
„Wacken“
Nach dem Umbau enterte Surgical Strike die Bühne. Die niedersächsischen Schwermetaller gaben dem Thrash Metal mit frechen Texten und feurigen Klängen frische Impulse. Für Rock am Berg extra aus Kiel angereist kam Extinct. Mit ihrer Mischung aus bewährtem und aktuellem Thrash setzten sie ein echtes Ausrufungszeichen auf die Bühne. Die Band um Sänger Helge Hentrop demonstrierte einmal mehr, warum sie auch schon einen Ruf aus Wacken bekam.
Metallgewitter
Ihrem Namen alle Ehre machten Fabulous Desaster: Die Bonner Band donnerte mit Vollgas über die Bühne und sorgte für ein dröhnendes Metallgewitter in feinster Metalmanier. Keine Kompromisse macht die Band Frostshock aus Haltern – gnadenloser Heavy Metal in einem Mordstempo bescherte den zahlreichen Zuschauern ein echtes Finale Furioso. Das Quartett mit Sänger Flemming Wehren gab zweifelsfrei vollkommen Vollgas und komplettierte das rundum gelungene Festival im Schatten des „Monte Scherbelino“.
Benefizkonzert
Rock am Berg ist weit mehr als nur ein Metal-Festival – es ist ein Benefizkonzert: Sämtliche Bands verzichteten auf ihre Gage, der Erlös geht komplett an den münsterschen Verein draußen! e.V. mit seinem Straßenmagazin sowie an den Verein Metality und seine Aktion 666 Schlafsäcke. Lediglich Kost und Logis wurden gestellt. Wie es Tradition bei Festivals ist, konnten Besucherinnen und Besucher außerdem auf dem Gelände campen. Ganz im Zeichen des guten Zwecks sorgte das Veranstalterpaar, Mona und Ralf Beckmann, mit seinem fünfköpfigen Orgateam, Karin und Reinhard Baum, Heike und Jens Uwe Dickheiwer sowie Sarah Linnenbank, zusätzlich für Speisen und Getränke.
Super Resonanz
Neben dem selbstgemachten Eintopf der Familie Beckmann gab´s auch einen Sack Kartoffeln von Landwirt Helmut Greiwing und zwei verschiedene Kuchen von Bäckermeister Olaf Zimmerling aus Oer-Erkenschwick. Das kam an – Speisen und Getränke gingen weg wie warme Semmeln. „Super Resonanz, tolle Atmosphäre, und die Bands sind perfekt“, freute sich denn auch Ralf Beckmann bei seinem ersten Zwischenfazit zum sechsten Rock am Berg. Vielleicht gibt´s beim siebten Rock am Berg-Festival dann ja sieben Bands.

















