BAGW-Wohnungsnot

„Hinschauen. Aktiv werden. Gemeinsam gegen Wohnungsnot“

Foto: Etienne Girardet

Von Teresa Ennemoser

„Hinschauen. Aktiv werden. Gemeinsam gegen Wohnungsnot“: Unter diesem Motto wird am 11. September – dem Tag der Wohnungslosigkeit – weltweit Aufklärungsarbeit geleistet. Die Stadt Münster beschäftigt sich am Aktionstag mit diesem Thema, denn auch in Deutschland ist das Problem drängender denn je.

Die Bundesregierung beabsichtigt bis 2030 das Ende der Wohnungslosigkeit zu erreichen. Die aktuellen Zahlen lassen jedoch nicht auf den Erfolg dieses Vorhabens schließen. Laut dem zweiten Wohnungslosenbericht des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) waren Anfang des Jahres 2024 in Deutschland rund 531.600 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen, während im ersten Wohnungslosenbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales noch von rund 263.000 Personen zum Jahresbeginn 2022 die Rede war – die Tendenz ist also steigend. Immerhin leben diese Menschen nicht alle auf der Straße, da Wohnungslosigkeit nicht mit Obdachlosigkeit gleichzusetzen ist:

Von Wohnungslosigkeit betroffene Personen verfügen über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum. Betroffene wohnen oft vorübergehend in sozialen Einrichtungen, bei Freund:innen oder Familie. Als „obdachlos“ bezeichnet man nur jene wohnungslosen Personen, die im öffentlichen Raum – also beispielsweise in Parks und an Bahnhöfen – oder in Notunterkünften wohnen. Die Obdachlosigkeit ist jedoch ebenfalls gestiegen: 2022 waren in Deutschland rund 38.500 Personen davon betroffen, 2024 waren es 47.300. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher. Der dritte Wohnungslosenbericht soll Ende des Jahres 2026 vom BMWSB veröffentlicht werden.

Wohnungslos in Münster: Was nun?

In Münster wurden laut der Bischof-Hermann-Stiftung zum 31. Januar 2025 insgesamt 2320 Personen als wohnungslos erfasst. Die Friedensstadt ist jedoch nicht untätig – es gibt zahlreiche Hilfsangebote und Anlaufstellen, an die Betroffene sich wenden können. Darunter fallen unter anderem der „Treffpunkt an der Clemenskirche“ der Raphaelsklinik, die mobile Versorgungs-, Dusch-, und Beratungshilfe des ASB und Notunterkünfte sowie langfristige Wohnmöglichkeiten der Bischof-Hermann-Stiftung oder des SkF. Eine Übersicht aller Hilfsmöglichkeiten und vertiefende Informationen gibt es unter: www.stadt-muenster.de/sozialamt/2097

Was macht der draußen! e.V.?

Der gemeinnützige draußen! e.V. bietet Menschen in prekären Lebenssituationen – darunter Wohnungs- und Obdachlosigkeit – vielfältige Unterstützungsangebote. An der Von-Kluck-Straße 15 – unserer Geschäftsstelle – versorgt der Verein Bedürftige mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten. So gibt es z.B. montags bis freitags ab 10 Uhr das kostenlose Frühstück, bei dem man mit den Mitarbeiter:innen und anderen Besucher:innen in den Austausch gehen kann. Auch sonst kann man – montags bis donnerstags bis 15 Uhr und freitags bis 14 Uhr – auf einen Kaffee oder einen Plausch vorbeikommen.

Unsere Sozialarbeiterin, Yvonne Strauß, berät bei Arbeits- und Wohnungssuche, dem Umgang mit Behörden und hat ein offenes Ohr für die persönlichen Probleme der Betroffenen. Die Beratung zielt auf die wirtschaftliche, soziale und psychische Verbesserung und Stabilisierung und findet vertraulich und kostenlos statt. Zudem hilft der Verein aktiv beim Einstieg in die Arbeitswelt. Bedürftige können als Verkäufer:innen des vom Verein betriebenen Straßenmagazins „draußen!“ tätig werden. In ganz Münster und dem Münsterland verkaufen sie die monatlich erscheinenden Ausgaben des Magazins für 3,20 Euro, wovon 1,60 Euro direkt an die Verkäufer:innen gehen. Bei alldem vertritt der draußen! e.V. ein offenes, inklusives Menschenbild und steht Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion und Staatsangehörigkeit – helfend zur Seite.

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