Foto-Ausstellung-Kopf

„Behindert ist man nur, wenn man sich behindern lässt!“

Iris Brandewiede (Autorin der Ausstellung), Jason Kornetzki (FASD, „Starke Geister“), Imashi Schumann („Herzensangelegenheiten“), Ingrid Hagenhenrich (Fotografin der Ausstellung), Prof. Dr. Simon Baumann (Dozent an der katho) (v.l.), stellten die Ausstellungen in der katho vor. Foto: Velemans.

Von Jeroen Velemans

Sie wollen kein Mitleid, sondern ihren rechtmäßigen Platz inmitten unserer Gesellschaft. Sie wollen anwesend, gesehen und integriert sein: „Starke Geister“ und „Herzensangelegenheiten“ heißen die Foto-Interview-Ausstellungen der Fotografin Ingrid Hagenhenrich und der Autorin Iris Brandewiede, die bis zum 17. Juli in der Katholischen Hochschule (katho) an der Piusallee 89 kostenlos zu sehen sind. 24 junge Menschen mit Behinderung geben dort einen persönlichen Einblick in ihr Leben zwischen Barrieren, Teilhabe und Selbstermächtigung. Im vergangenen Jahr stellte unser Straßenmagazin draußen! die Betroffenen in einer Serie vor.

Fotos und Interviews kombiniert

Die Ausstellung kombiniert Fotografie mit Gesprächs-Portraits der Protagonistinnen und Protagonisten. Die im Erdgeschoss dargestellte Ausstellung „Herzensangelegenheiten“ zeigt zwölf Menschen mit körperlichen Behinderungen, die von ihrem Start ins Erwachsenenleben und den Stolpersteinen auf dem Weg dahin berichten. Im ersten Stock ist die Ausstellung „Starke Geister“ zu finden. Dabei geht es um die Geschichten von zwölf Menschen mit Fetalem Alkoholsyndrom (FASD), die über Belastungen, Selbstermächtigung und ihren Weg zu Identität und Teilhabe aufklären.

Aktiver Teil von Kunst und Kultur

Zur Midissage der Ausstellungen äußerten sich die Verantwortlichen und die Protagonist:innen: Für Professor Dr. Simon Baumann, Dozent an der katho, ist die Ausstellung sehr wichtig, da sie zeige, dass „jeder Mensch ein aktiver Teil von Kunst und Kultur sein kann“. Er habe bislang zahlreiche positive Rückmeldungen zu den Ausstellungen erhalten. „Menschen mit Behinderung können durch eine solche Ausstellung aus dem Anstarren anderer von oben herab ausbrechen, und selber die Macht zu ergreifen sich darzustellen wie sie es selber wollen“, erläuterte Baumann.

Universum eröffnet

Für die Fotografin Ingrid Hagenhenrich hat die Zusammenarbeit mit der Autorin der Ausstellung, Iris Brandewiede, „ein Universum von Menschen eröffnet, die mit einem Päckchen auf die Welt kommen, das sie immer und überall begleitet“. Sie geben ihnen mit: „Ihr seid Kunst! Ihr seid relevant!“

Freundlich getrennt?

Stellvertretend für die Schicksale in der Ausstellung „Herzensangelegenheiten“ äußert sich Welat – er wurde mit der Glasknochenkrankheit geboren und sitzt deshalb im Rollstuhl. Für ihn ist die gesellschaftliche Teilhabe von zentraler Bedeutung. Welat erklärt, dass Menschen mit Behinderung oft eben nicht als vollwertiger Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen werden. Sie sind anwesend, ohne wirklich gesehen zu werden. Gesprochen wird immer zuerst mit der Begleitperson: „Was kann er denn? Was braucht er denn?“. Welat fragt: „Die Gesellschaft schafft eigene Gruppen und eigene Räume für Menschen mit Behinderung, ist das wirklich Teilhabe, oder haben wir einfach gelernt, uns freundlich zu trennen?“

Die Protagonistinnen und Protagonisten sind allesamt stolz, ein Teil der Ausstellungen zu sein. Mehr Aufmerksamkeit für Menschen mit Behinderungen ist ihnen ein wichtiges Anliegen.

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